Zeitschrift merz | Einzelhefte

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Produktbeschreibung

Medien sind von jeher Erzähl-, Erlebnis- und Inszenierungsräume, die sich – so die Ausgangsthese – durch Digitalisierungsprozesse verändern, da sich unter anderem Angebote ausdifferenzieren, erweitern, neujustieren und zunehmend durch Nutzer*innen (mit)gestaltet werden. Nutzende fungieren nicht nur als Geschichtenleser*innen, sondern auch als Geschichtenerzähler*innen (Tophinke 2017). Produktions-, Nutzungs- und Aneignungsweisen von medial vermittelten Narrationen haben sich einerseits strukturell durch neue Formate und Plattformen und nicht zuletzt Streamingdienste gewandelt. Andererseits haben sich inhaltlich-dramaturgisch sowie ästhetisch neue Erzählweisen/-strategien in Film und Serien, auf Blogs, in Sozialen Netzwerken und vor allem auf Bild- und Videoportalen herausgebildet. Sie sind zu wichtigen Erzählkontexten avanciert, wobei die kulturelle Praxis des Erzählens sich mitunter den Umgebungen anpasst und sich die Erzähler*innen teilweise ihrem Publikum unterwerfen, dieses ‚empowern‘ und mobilisieren, erinnern oder auch verstören können. Es findensich spontane, offene Erzählungen aber auchgeschlossene. Manche haben Snippetcharakter. Man denke etwa an Instagram-Storys, Memes und Tweets. Erzählmedium ist sowohl Schriftlichkeit als auch Bildlichkeit in Form von Fotos, Filmen und kurzen Videos, die nur marginal beschrieben und kommentiert oder mit Hashtagsversehen werden (Tophinke 2017; Wagner2019). Letztere ermöglichen Themensetzungen, anlass- und issuebezogene Kollektivierungen von Nutzer*innen im Sinne einer „Neogemeinschaft“ (Reckwitz 2017, S. 262) sowie auch Resonanzräume, die kritisch nicht selten affektiv aufgeladen sind, Hate- und Counterspeech hervorbringen.
Das vorliegende Heft beschäftigt sich mit fiktionalen und dokumentarischen, interaktiven sowie multimedialen Erzählformen in Netzumgebungen. Dererste Beitrag von Christina Schachtner thematisiertnarrative Selbstkonstruktionen in mediatisierten Lebenswelten. Ausgehend von der Metatheorie der Mediatisierung und dem phänomenologischen Lebensweltansatz gilt es, die Selbsterzählungen von Blogger*innen und Netzakteur*innen, die die Autorin interviewt hat, im Hinblick auf ihr Selbstbildungspotenzial einzuordnen. So verweisen nicht allein dominierende Narrationen, sondern auchnarrative Puzzleteile, sogenannte „Narrationsnester“(Kraus 2000), immer auf das eigene Selbst, das heiÃźt auf Selbstentwürfe und das Bedürfnis nach einem kohärenten Identitätsgefühl.
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Die Beiträge zeigen die groÃźe Bedeutung, die Narrative in der Aufbereitung und Rezeption von Themen mit Medien spielen. Kaum ein Medienbeitrag, in dem nicht Narrative zitiert, neue Geschichten erzählt und Bezüge zu bekannten Narrativen hergestellt werden. Insbesondere bei den von jungen Menschen selbst erstellten Medienbeiträgen ist die Auseinandersetzung mit bekannten Rollen und Bildern häufig grundlegend.Somit kann die Befassung mit medialen Narrativensowohl zu einer spannenden Reflexion dereigenen Vorlieben und Bilder beitragen als auchein Ansatzpunkt für die pädagogische Arbeit sein.

Aus dem Editorial von Kathrin Demmler und Dagmar Hoffmann
 

Inhaltsverzeichnis

aktuell

thema
Medien und Narrative
Die Kraft des Erzählens in mediatisierten Welten



Editorial
Kathrin Demmler, Dagmar Hoffmann

Narrative Selbstkonstruktionen
Zur Funktion des Erzählens in mediatisierten Lebenswelten
Christina Schachtner

Narrative sind oft der kleinste gemeinsame Nenner
Interview mit Alexander Görlach

Soziale Medien als Mittel der Krisenbewältigung
Besonderheiten digitalen Storytellings auf TikTok am Beispiel von #Corona
Judith Ackermann, Leyla Dewitz,
Alexandra Makulik

Erzählungen für eine Bildung, die an der Zeit ist
Darstellung und Gestaltung von Zeit in narrativen Texten im Anthropozän
Florian Schultz-Pernice

Populäre Geschichtskultur
Historische Narrative in Film und Fernsehen
Andrea M. Kluxen

Digitale Jugendnarrative in der deutschen Fernsehfiktion
Florian KrauÃź, Julian Kinghorst

Das filmische Planspiel als Methode digitalen Storytellings am Beispiel von PARLAMENSCH
Thomas Kupser, Jonas Lutz


spektrum

Rap als Sprachrohr politischer Propaganda?
Daniel Hajok, Ricardo Leonhardt

Wie sehen und leben Erst- bis Sechstklässler*innen Schule?
Eine repräsentative Befragung von KiKA
Tina Hertzer, Christiane Rohde, Saskia Weisser

Freiheit und Verantwortung bei der Nachrichtenauswahl jugendlicher Mediennutzer*innen
Nadja Wolf

storys, apps und du
Lese- und Medienkompetenz durch digitale und partizipative Formate
Melanie Dreher, Wolf Borchers


medienreport

Filmreihe über Alltagsrassismus bei Jugendlichen
Jounas Al Maana

Widerstand in dunklen Zeiten
Dana Neuleitner

30 Minuten, dann ist aber Schluss!
Kati Struckmeyer


publikationen

kurz notiert


service


kolumne

#blackouttuesday

Jounas Al Maana und Kati Struckmeyer