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Luther & Co: Religion(en) in der Kinder- und Jugendliteratur

kjl&m 17.4 | forschung.schule.bibliothek

München 2017, 96 Seiten (+ Jahresregister 2017)
11,00 EUR
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Produktbeschreibung

Der Kinder- und Jugendliteratur ist seit jeher ein pädagogisches Selbstverständnis tief eingeschrieben. Lange dominierte dabei die Vorstellung einer unmittelbaren Erziehungswirkung von Literatur auf Kinder. Das führte in den vergangenen Jahrhunderten, in denen in mitteleuropäischen Gefilden Erziehung immer auch die Vermittlung von christlicher Frömmigkeit selbstverständlich implizierte, dazu, dass religiösen Themen in kinderliterarischen Werken explizit oder implizit ein wichtiger Stellenwert zukam. Die Zeiten haben sich jedoch geändert, die Stellung der Religion(en) in der Gesellschaft und damit auch in der Erziehung von Kindern muss grundsätzlich neu bewertet werden. Dennoch sind christliche Normen und Werte auch heute im Rahmen familialer und gesellschaftlicher Systeme wichtige Orientierungsrahmen.

Der Umgang mit Religion in der Kinder- und Jugendliteratur hat sich in den letzten Jahrzehnten allerdings mehrfach stark verändert. Nach ihrem weitgehenden Verschwinden aus dem Bereich einer auch ästhetisch ernstzunehmenden Literatur seit den 1960er Jahren wird Religion in der letzten Zeit wieder stärker als Gegenstand literarischer Verhandlungen aufgegriffen und nicht mehr nur in einem katechetischen Sektor verortet. Dieser seit ca. 20 Jahren anhaltende religious turn (vgl. Langenhorst in diesem Band) trifft im Jahr 2017 mit dem kulturhistorisch ausgesprochen bedeutsamen fünfhundertsten Reformationsjubiläum zusammen, was mehr als genug Anlass sein sollte, die aktuellen Entwicklungen in einem Themenschwerpunkt zu verhandeln.

Nach einer ersten Einordnung und Orientierung des Themas in literaturgeschichtlicher und thematischer Perspektive durch Georg Langenhorst spürt Jana Mikota in Beispielanalysen den aktuellen kinderliterarischen Erscheinungsformen des zentralen Reformationsprotagonisten Martin Luther nach, während Karin Yesilada in ihrem Beitrag das bislang weitgehend von der Forschung unbeachtete Phänomen der Thematisierung des Islams in der KJL und der damit verbundenen Verschränkung religiöser, politischer und soziologischer Fragestellungen in den Blick nimmt. Alexandra Ritter und Ulrike Witten betrachten, wie das tradierte Format der Kinderbibel in einem Spannungsfeld akkommodierender Vereinfachung und literarästhetischer Exploration ausgestaltet wird. Margarete Hopp thematisiert, wie Motive wie Tod und Sterben in aktuellen Bilderbüchern verarbeitet werden, religiösen Referenzen im Comic forschen Frank Thomas Brinkmann und Anna Lena Veit nach. Jochen Heins schlieÃźlich stellt die strukturprägende Wirkung der christlichen Tugenden Glaube, Liebe und Hoffnung in aktuellen Jugendromanen heraus, bevor Karin Richter und Siglinde Spuller in ihren Beiträgen auf didaktische Perspektiven der Verbindung kulturellen, religiösen und literarischen Lernens eingehen. Im Spektrumsbeitrag eröffnet Brigitte Klosterberg noch einmal in historischer Perspektive einen Blick auf die, in der pietistischen Schulstadt der Franckeschen Stiftungen in Halle/Saale gesammelten, religiösen Lektüreangebote für Kinder und Jugendliche und deren Stellung in der Pädagogik August Herrmann Franckes und seiner Nachfolger.

Editorial von Michael Ritter
 

Inhaltsverzeichnis

Editorial


Thema: Luther & Co: Religion(en) in der Kinder- und Jugendliteratur

Georg Langenhorst
„Was, wenn Gott einer, keiner oder viele ist?“
Religion in der aktuellen Kinder- und Jugendliteratur

Jana Mikota
Martin Luther und die Reformation in der aktuellen Kinder- und Jugendliteratur

Karin Yesilada
Islam in der (interkulturellen) Kinder- und Jugendliteratur

Alexandra Ritter/ Ulrike Witten
Neue Perspektiven auf biblische Texte
Aktuelle Kinderbibeln im Vergleich

Margarete Hopp
Religiöse Motive in Bilderbüchern zum Thema Tod

Frank Thomas Brinkmann/ Anna Lena Veit
Es war einmal... in FABLES
Wie eine erfolgreiche Comicserie allerlei religiöse Spuren in eine(r) postmoderne(n) Märchenwelt verlegte

Jochen Heins
Das Leben ist „zärtlich und abgefuckt im selben Moment“
Liebe – Glaube – Hoffnung in aktuellen Adoleszenzromanen

Karin Richter
Das Musical Anatevka als Zugang zu jüdischer Kultur, Geschichte und Religion in einem fächerübergreifenden Projekt für Grundschule und Sekundarstufe I

Siglinde Spuller
„Komm wir bauen einen Turm!“
Ambivalenzen der Grenzüberschreitung am Beispiel einer Unterrichtssequenz zum Bilderbuch Der Wurm am Turm (Brussig/ Kahane 2011)


Spektrum

Brigitte Klosterberg
Religiöse Kinder- und Jugendliteratur der Frühen Neuzeit in der Bibliothek der Franckeschen Stiftungen Halle/Saale


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