Kontext Kunstpädagogik

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„Fort von den Konstruktionen, hin zu den Sachen.“

Strategien der Macht in der Geschichte der Kunstpädagogik 1945 bis 1980

Band 50, München 2018 (Oktober), 240 Seiten
ISBN 978-3-86736-530-7
19,80 EUR
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Produktbeschreibung

Über den Kampf um den Fortbestand der westdeutschen Kunstpädagogik der Nachkriegszeit existieren legendäre Erzählungen. Sie künden u.a. von der Überwindung der musischen Erziehung, der Verwissenschaftlichung der Fachdidaktik durch den Formalen Kunstunterricht und den ideologiekritischen Emanzipationsbestrebungen der Visuellen Kommunikation.

In der vorliegenden Dissertation werden die damit verbundenen paradigmatischen Profilierungsschlachten, Abgrenzungsmechanismen und Fachentwicklungen aus historisch-hermeneutischer Perspektive im Kontext ihrer zeitgeschichtlichen Ursprünge systhemtheoretisch und quellenkritisch analysiert. Ein besonderes Augenmerk liegt hierbei in der Aufarbeitung von Frauenleistungen in der Fachgeschichte und den Gründen ihres historiographischen Vergessens. Darüber hinaus wird die Konstruktion fachgeschichtlicher Nullpunkte als widerkehrendes Muster mit Blick auf den Aufbau kunstpädagogischer Wissenschaftsstrukturen zwischen 1945 und 1980 problematisiert und dessen Auswirkungen auf den heutigen Fachdiskurs exemplarisch beleuchtet.

Johanna Maria Tewes (geb. 1983) ist derzeit Studienrätin und Kunstfachleitung am Walddörfer-Gymnasium in Hamburg, Lehrbeauftragte im Fachbereich Kunstpädagogik und visuelle Bildung an der Universität Hamburg sowie 2. Vorsitzende im Hamburger BDK – Fachverband für Kunstpädagogik.
Nach dem Studium der Fächer Kunst, Deutsch und Geschichte für das Lehramt an Gymnasien und Gesamtschulen war sie drei Jahre als Wissenschaftliche Mitarbeiterin bei Prof. Dr. Jutta Ströter-Bender im Fachbereich Kunst und ihre Didaktik an der Universität Paderborn tätig. Anschließend absolvierte sie ihr Referendariat an einer Gemeinschaftsschule in Kiel.
 

Inhaltsverzeichnis

Vorwort von Jutta Ströter-Bender


1 Einführung


2 Konturierung des Forschungsinteresses


2.1 Zur Unterscheidung zwischen „Kunstpädagogik“ und „Kunstdidaktik“

2.2 Erinnerungskultur und Identität in der Kunstpädagogik

2.3 Kunstpädagogik als „disziplinierender“ Diskursraum

2.4 Zum Einfluss der Kategorie Geschlecht auf die Diskursordnung


3 Musische Kunsterziehung nach 1945: Neustart in Orientierung an der Fachtradition

3.1 Die Aktualisierung der musischen Erziehung als Lebenshilfe

3.2 Zum Prozess der Durchsetzung des musischen Erziehungskonzepts
3.2.1 Otto Haase mobilisiert die Sehnsucht der Kunsterzieher nach alter Größe
3.2.2 Vergangenheitskonstruktionen in der musischen Kunsterziehung
3.2.3 Bildungspolitische und historische Hintergrundentwicklungen
3.2.4 Exkurs: Die Entwicklung der Kunsterziehung in Ostdeutschland nach 1945
3.2.5 Die Festschreibung des Musischen in der Kunsterziehung der Nachkriegszeit
3.2.6 Die Rolle des Musischen als Einheit stiftende Klammer

3.3. Die fachliche Ausgestaltung unter musischen Vorzeichen
3.3.1 Die Zusammenlegung der Fachzeitschriften
3.3.2 Die Leistungen Kurt Schwerdtfegers
3.3.3 Reads Gedanken zur Kunsterziehung und ihre Entwicklungen im Ausland

3.4 Erste Anstrengungen einer gemeinsamen fachlichen Grundlegung r Wissenschaftlichkeit in der Kunstpädagogik nach 1945
3.4.2 Zur Methodik der Theoriebildung aus der Praxis
3.4.3 Das Bedürfnis nach fachwissenschaftlicher Fundierung wächst
3.4.4 Ansätze einer wissenschaftlich begründeten „Theorie der Kunstpädagogik“

3.5 Der Einfluss der Kunsterzieherinnen auf den Fachdiskurs
3.5.1 Erna Dreiack – vergessene Begründerin einer bildkompetenzorientierten Fachdidaktik
3.5.2 Gertrud Weismantel – erste Universitätsprofessorin für Kunsterziehung
3.5.3 Zur Aktualisierung restaurativer Tendenzen in der Mädchenkunsterziehung
3.5.4 Das fachpolitische Engagement der Kunsterzieherinnen

3.6 Abschließende Bemerkungen zum vorherrschenden Selbstverständnis


4 Formaler Kunstunterricht als legitimationstheoretischer Bruch mit der Fachtradition

4.1 Kunsterziehung und die Kunst der Moderne als Weltsprache

4.2 Zum Prozess der Durchsetzung der Gegenwartskunst als neuem Fachgegenstand
4.2.1 Das Didaktikkonzept von Reinhard Pfennig
4.2.2 Das bildnerische Denken als neues gesellschaftsreformierendes Erziehungsziel
4.2.3 Das bildnerische Denken als Weg aus der kunstpädagogischen Legitimationskrise
4.2.4 Reaktionen der Fachschaft

4.3 Die „Verwissenschaftlichung“ der Fachdidaktik im Kontext bildungspolitischer Entwicklungen

4.4 Gunter Otto und die Rationalisierung der Kunsterziehung
4.4.1 Das Berliner Didaktikmodell
4.4.2 Gunter Ottos Kritik an der musischen Erziehung
4.4.3 Verpflichtung zur Rationalität als neues fachliches Selbstverständnis
4.4.4 Gunter Ottos diskursordnende Umstrukturierungsmaßnahmen

4.5 Zur Abwesenheit weiblicher Beiträge im Fachdiskurs der 50er und 60er Jahre

4.6 Abschließende Bemerkungen zum vorherrschenden Selbstverständnis


5 Visuelle Kommunikation: Abkehr von der Fachtradition durch Ideologiekritik und Alternativpläne

5.1 Gesellschaftliche und geisteswissenschaftliche Vorzeichen

5.2 Rahmenplandiskussionen und die Einflüsse der Bildungsforschung

5.3 Mit Aktionen und Thesen zu einer radikaldemokratischen Fachrevision
5.3.1 Heino R. Möllers Abrechnung mit der Fachtradition
5.3.2 Die Konzepte aktionistischer Fachgruppierungen

5.4 Die Kunstpädagogik erweitert ihren Gegenstand und erregt öffentliche Aufmerksamkeit

5.5 Die VK Bilanz: vielversprechende Theorie, Mängel in der Praxis

6 Kunstpädagogisches Selbstverständnis nach der rational-emanzipatorischen Wende

6.1 Zur „Vereinnahmung“ der VK durch Gunter Otto

6.2 Fachtradition in der VK wieder neu „sehen lernen“

6.3 Eine Rehabilitation der musischen Kunsterziehung bleibt aus

6.4 Praxen wissenschaftlicher Theorieentwicklung in der Kunstpädagogik

6.5 Zum Stellenwert fachgeschichtlicher Forschung
6.5.1 „Historische Kunstpädagogik“ als fachwissenschaftlicher Forschungsbereich
6.5.2 Die Ausstellung „Kind und Kunst“

6.6 Von feministischen Emanzipationsbestrebungen zur „FrauenKunstPädagogik“
6.6.1 Die (Wieder-)Entdeckung der „Mädchenästhetik“
6.6.2 Zur (verspäteten) Geburtsstunde der „FrauenKunstPädagogik“

6.7 Abschließende Bemerkungen zum vorherrschenden Selbstverständnis


7 Fazit: Rückwirkungen auf den heutigen Fachdiskurs

7.1 Eine angemessene Würdigung der musischen Kunsterziehung ist bis heute umkämpft

7.2 Die fachhistorische Geschichtsschreibung ist nach wie vor stark androzentristisch geprägt

7.3 Die künstlerische Selbstverortung beeinflusst das Fachverständnis und die eigene Positionierung darin

7.4 Die Abgrenzung zur musischen Kunsterziehung prägt den Fachdiskurs bis heute


8. Literaturverzeichnis


9. Verzeichnis der im Text verwendeten Abkürzungen


10. Abbildungsverzeichnis