Schriftenreihe zur digitalen Gesellschaft NRW

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Super-Scoring?

Datengetriebene Sozialtechnologien als neue Bildungsherausforderung

Band 6, München 2020 (Dezember), 200 Seiten
ISBN 978-3-86736-575-8
18,80 EUR
inkl. gesetzl. MWSt - ggfs. zzgl. Porto und Versand
 

Produktbeschreibung

Als „Scoring“ werden Praktiken bezeichnet, bei denen das Verhalten von Individuen bewertet und beeinflusst wird, indem Daten digital erfasst und algorithmisch ausgewertet werden. So genannte „Super-Scoring“-Praktiken gehen noch weiter und führen Punktesysteme und Skalen aus unterschiedlichen Lebensbereichen zusammen, wie etwa Bonität, Gesundheitsverhalten oder Lernleistungen. Diese Verfahren könnten sich zu einem neuen und übergreifenden Governance-Prinzip in der digitalen Gesellschaft entwickeln. Ein besonders prominentes Beispiel ist das Social Credit System in China. Aber auch in westlichen Gesellschaften gewinnen Scoring-Praktiken und digitale Soziometrien an Bedeutung.
Dieser Open Access Band stellt aktuelle Beispiele von datengetriebenen sozialen Steuerungsprozessen aus verschiedenen Ländern vor, diskutiert ihre normativen Grundlagen und gesellschaftspolitischen Auswirkungen und gibt erste bildungspolitische Empfehlungen. Wie ist der aktuelle Stand einschlägiger Praktiken in China und in westlichen Gesellschaften? Wie sind die individuellen und sozialen Folgen zu bewerten? Wie wandelt sich das Bild vom Menschen und wie sollte bereits heute die politische und aufklärerische Bildung darauf reagieren?
Mit Beiträgen von Larry Catá Backer (Pennsylvania State University, USA), Yongxi Chen (HongKong University), Harald Gapski (Grimme-Institut), Dirk Helbing (ETH Zürich), Lorena Jaume-Palasí (The Ethical Tech Society), Nicolas Kayser-Bril (AlgorithmWatch), Nadia Kutscher (Universität zu Köln), Steffen Mau (Humboldt-Universität zu Berlin), Mareike Ohlberg (Mercator Institute for China Studies), Stephan Packard (Universität zu Köln), Felix G. Rebitschek (Harding Center for Risk Literacy), Joanna Redden (Cardiff University), Stefan Selke (Hochschule Furtwangen), Thomas Tekster (Grimme-Institut), Gert G. Wagner (Max Planck Institut für Bildungsforschung), Christiane Woopen (Cologne Center for Ethics, Rights, Economics, and Social Sciences of Health) und Isabel Zorn (TH Köln).
 

Inhaltsverzeichnis

Vorwort – Frauke Gerlach

Danksagung

Super-Scoring? Einleitung zu den Hintergründen und Fragestellungen
Harald Gapski, Stephan Packard und Thomas Tekster


I. Das Social Credit System in China

Die Entwicklung des Social Credit Systems: Drei Funktionsbereiche aus Sicht des Öffentlichen Rechts
Yongxi Cheng

Sieben Punkte zu Chinas gesellschaftlichem Bonitäts-System
Mareike Ohlberg

Schwarze Listen und Social Credit Systeme in China
Larry Catá Backer


II. Scoring in der westlichen Welt

Scoring ist nicht neu, sondern uralt: Aus seiner Geschichte kann man lernen, wie man heutzutage damit umgehen kann und soll
Gert G. Wagner

Personen-Scoring in der EU: vorerst kein Black-Mirror-Szenario – zumindest nicht für alle
Nicolas Kayser-Bril

Datenwerte als Steuerungsinstrument: Abbildung und Analyse von Veränderungsprozessen in Großbritannien
Joanna Redden, Lina Dencik, Arne Hintz und Harry Warne


III. Einordnungen, Bewertungen und Meinungen zum Scoring

Die Vereinheitlichung des Menschen – früher, heute und morgen: Scoring als permanentes gesellschaftliches Realexperiment
Stefan Selke

Super-Scoring als Form medialer Kontrolle: Kritische Fragen
Stephan Packard

Interviews: Sieben Fragen an
Larry Catá Backer
Dirk Helbing
Nicolas Kayser-Bril
Nadia Kutscher
Steffen Mau
Felix G. Rebitschek
Gert G. Wagner
Christiane Woopen


IV. Bildungsherausforderungen des Scorings

Ethische Dimensionen des Einsatzes von Algorithmen – Entscheidungen und Scoring in pädagogischen und sozial-politischen Kontexten
Nadia Kutscher

Informiert mit Scoring-Systemen auseinandersetzen
Felix G. Rebitschek

Scoring – Konsequenzen für die Bildung in demokratischen Gesellschaften
Isabell Zorn

Widerständige Bildung im Zeitalter von Social-Scoring
Thomas Tekster

Digitale Aufklärung über Scoring
Harald Gapski