Kulturelle Bildung

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Lernkulturforschung in der Kulturellen Bildung

Videographische Rahmenanalyse der Bildungsmöglichkeiten eines Tanz- und Theaterprojektes

Schriftenreihe Kulturelle Bildung
vol. 25, München 2012, 407 Seiten
ISBN 978-3-86736-325-9
22,80 EUR
inkl. gesetzl. MWSt - ggfs. zzgl. Porto und Versand
 

Produktbeschreibung

Die hohe Bedeutung Kultureller Bildung wird zur Zeit in zahlreichen Publikationen, Agenden und Resolutionen beschworen. Dabei wird Kulturelle Bildung meist als ein Allheilmittel gegen (fast) alle gesellschaftlichen Probleme angepriesen: Sie soll dabei helfen, Bildungsungerechtigkeiten abzubauen und Intelligenz, soziale Kompetenz, Selbstvertrauen, die Fähigkeit zum kritischen Denken und noch vieles andere mehr fördern.

Der vorliegende Band stellt diese Wirkungsbehauptungen zunächst zurück und wendet sich der Projektpraxis zu, um Bildungsmöglichkeiten aus der genauen Analyse videographierter Interaktionen zu beschreiben. Möglich wird dies, weil mit der videographischen Rahmenanalyse ein methodisches Instrumentarium entwickelt wird, das es erlaubt, den Begriff der Lernkultur theoretisch und empirisch zu füllen und die Lernkultur einer konkreten Lerngruppe – in diesem Fall einer Tanz- und Theater-AG einer Grundschule – umfassend zu untersuchen und darzustellen.

Die Analyse der Rahmen der untersuchten Lernkultur führt zum Ergebnis, dass die folgenden Bildungsmöglichkeiten mit dem untersuchten Tanz- und Theaterprojekt verbunden sind: Es ermöglicht Differenzerfahrungen zwischen einem „Nicht-Ich“ und einem „nicht Nicht-Ich“, Erfahrungen der „Verantwortungsübernahme“, Erfahrung von „Sozialer Anerkennung“ und die Erfahrung „darstellerischer Selbstwirksamkeit“.
 

Inhaltsverzeichnis

Licht in die Black Box! – Zielsetzung und Aufbau der Arbeit


Teil I: Die Praxis Kultureller Bildung als Forschungsgegenstand

1 Forschung im Bereich der Kulturellen Bildung

1.1 Kulturelle Bildung als Prozess und als Ergebnis
1.2 Wirkungsbehauptungen in der Kulturellen Bildung
1.3 Forschungsansätze in der Kulturellen Bildung
1.4 Die Projektpraxis als Forschungsgegenstand: Eine Zusammenfassung

2 Theoretische Grundlagen zur Erforschung sozialer Interaktionen

2.1 Zur Begriffsgeschichte: Lernkultur
2.2 Lernkultur als Begriff empirischer Bildungsforschung
2.3 Die Ethnomethodologie als Handlungstheorie
2.4 Erving Goffmanns Interaktionsordnungen und der Begriff des Rahmen
2.5 Zusammenfassung: Die Rahmenanalyse als Mittel, Lernkulturen systematisch zu beschreiben

3 Forschungsperspektive: Diversität

3.1 Ein ethnomethodologisches Verständnis von Diversität
3.2 Diversity Education: Betonung der Gleichheit oder Erziehung zur Vielfalt?
3.3 Diversitätserzeugende Praktiken als Forschungsperspektive
3.4 Ist Geschlecht omnirelevant?
3.5 Natioethnokulturelle Mitgliedschaft
3.6 Pädagogische Differenzlinien: Erwachsener/Kind – LehrerIn/SchülerIn – AnleiterIn/TeilnehmerIn
3.7 Egalitäterzeugende Praktiken als Forschungsperspektive

4 Zusammenfassung: Eine differenzorientierte Rahmenanalyse


Teil II: Die Videografische Rahmenanalyse

1 Theoretische Grundlagen der Videografischen Rahmenanalyse

2 Die videografische Datenerhebung


2.1 Das Problem der „Reaktivität“
2.2 Das Verhältnis von Videoabbildung und „Wirklichkeit“
2.3 Der Unterschied zwischen Beobachtung und Teilnahme
2.4 Technische Schwierigkeiten

3 Komplexitätsreduktion durch Datendokumentation und Datenanalyse

3.1 Analysemethoden zwischen Bleistift, MoviScript, Transana, EXMARaLDA
3.2 Der Datenzugriff
3.3 Angewendete Techniken der Datenanalyse

4 Datendarstellung als spezifisches Problem der Videografie


Teil III: Rahmenanalysen der Lernkultur

1 Das Anfangs- und Abschlussritual

2 Spiele


2.1 Das Rahmendrehbuch von Spielen
2.2 Spielklassifikationen
2.3 Der Gordische Knoten – ein Communitas-Spiel
2.4 Der Stopptanz und seine Variationen
2.5 Mimicry-Spiele
2.6 Differenz- und egalitäterzeugende Praktiken in Spielen

3 Exkurs: Natioethnokulturelle Mitgliedschaft

3.1 Nur Englisch können? Sprachdefizit und Sprachfähigkeit
3.2 Exklusion durch natioethnokulturelle Mitgliedschaft
3.3 Die Darstellung natioethnokultureller Mitgliedschaften auf der Bühne
3.4 Fazit: Rigorose Reflexivität tut Not!

4 Ãśbungen

4.1 Ãśbungen: „Was wir jetzt machen, ist nicht nur Spiel!“
4.2 Die Ãśbung „Vom Tier zum Satz“
4.3 „Solo“ – eine soziale Organisationsform von Ãśbungen
4.4 Soziale Organisationsform: Zentrale Fokussierung
4.5 Differenz- und egalitäterzeugende Praktiken in Ãśbungen

5 Gestaltungsaufgaben

5.1 Was sind „Gestaltungsaufgaben“?
5.2 Einen Anfang finden
5.3 Handlungsstrategie 1: Kommandieren oder Regie führen?
5.4 Handlungsstrategie 2: Planen
5.5 Handlungsstrategie 3: Spielen
5.6 Differenz- und egalitäterzeugende Praktiken in den Arbeitsphasen von Gestaltungsaufgaben

6 Tanzrahmen

6.1 Der Chace-Kreis
6.2 Hiphop-Choreographien
6.3 Tanz ≠ Tanz: Gemeinschaftserleben vs. Können/Nicht-Können

7 Gesprächsrahmen

7.1 Geschichtenentwicklungsgespräche
7.2 Feedbacksituationen
7.3 Differenz- und egalitäterzeugende Praktiken in Gesprächsrahmen

8 Proben

8.1 Formen von „Proben“
8.2 Entwicklungsproben
8.3 Arbeit-an-der-Form-Proben
8.4 Durchläufe
8.5 Differenz- und egalitäterzeugende Praktiken in Proben

9 Rahmenwechsel, Pausen, Atelierphasen

9.1 Rahmenwechsel
9.2 Pause machen
9.3 Selbstverantwortete Rahmen: Atelierphasen
9.4 Die Organisation von Rahmenwechseln und die Aufrechterhaltung von Rahmen

10 Präsentationen

10.1 Rückschau: Präsentationssituationen in Spielen, Tänzen, Ãśbungen und Proben
10.2 Aufführungen: Öffentliche Präsentationssituationen
10.3 Differenz- und egalitäterzeugende Praktiken in Präsentationssituationen

11 Die Lernkultur der Tanz- und Theater-AG

11.1 Die Lernkultur auf einen Blick
11.2 Die untersuchten Rahmen und ihre Differenzen
11.3 Differenz- und egalitäterzeugende Praktiken


Teil IV: Einordnung der Ergebnisse und Forschungsperspektiven

1 Die Rahmenanalyse als Grundlage einer deskriptiven Lernkulturforschung

2 Forschungsperspektive: Egalitäterzeugende Praktiken

3 Bildungsmöglichkeiten von Tanz- und Theaterprojekten


3.1 Differenzerfahrungen zwischen Nicht-Ich und nicht Nicht-Ich
3.2 Verantwortungsübernahme
3.3 Erfahrung von Sozialer Anerkennung
3.4 Darstellerische Selbstwirksamkeitserfahrung


Anhang

1 Transkriptionsrichtlinien
2 Sequenzverzeichnis
3 Literaturverzeichnis