Zeitschrift merz | Einzelhefte

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Produktbeschreibung

Die Auseinandersetzung mit dem Konnex ‚Medien und Geschlecht‘ scheint gerade in medienpädagogischen Kontexten eine Selbstverständlichkeit zu sein, gleichwohl hält man sie in postfeministischen Zeiten nicht selten für überholt und überflüssig. So berichtet die britische Kommunikationswissenschaftlerin Karen Ross in der Einleitung zu ihrem Buch Gendered Media (2010), dass sie sich immer wieder für ihr Projekt hat rechtfertigen müssen und einige in ihrem Umfeld meinten: „Another one?“ Dabei ist es bei genauerer Betrachtung auch international ein Trugschluss, dass es sich hier um einen überforschten Themenzusammenhang handelt. Genderfragen sind in Zeiten der Digitalisierung, des Social und Political Web, der kulturellen Partizipation und vielfältigen Darstellungs- und Selbstverwirklichungsmöglichkeiten insbesondere im Netz äuÃźerst bedeutsam. Studien finden sich aber kaum. Konfrontiert ist man mit medialen Genderstereotypen und geschlechtsspezifischen Medienpraktiken, die viele Fragen aufwerfen.

Dabei lässt sich beobachten, dass bestimmte Themen und Kommunikationsräume durchaus geschlechtsspezifisch besetzt, genutzt und angeeignet werden. So sind Autorinnen bei der Online-Enzyklopädie Wikipedia immer noch in der Minderheit. Der Anteil der von Frauen verfassten Artikel beträgt weniger als ein Viertel (vgl. Falke 2013). Mädchen und Frauen sind hingegen dominant vertreten, wenn es um das Betreiben von Fashion-, Beauty- und Food-Blogs oder aber das Einstellen von Haul-Videos bei YouTube geht. Bekannte hegemoniale und patriarchale Strukturen reproduzieren sich trotz aller Emanzipations- und Gleichstellungsbemühungen im Netz und auch in anderen Medienformaten sowie in kulturellen Bereichen (für einen Ãśberblick siehe z. B. Prommer/Schuegraf/Wegener 2015; Maier/Thiele/Linke 2012; Ross 2012). Hatte man in den 1990er-Jahren die Hoffnung, dass sich Geschlechterrollen durch neue Ausdrucksformen und Möglichkeiten der Selbstkonstruktion im Netz aufweichen könnten (vgl. Turkle 1995; Musfeld 1999), so lässt sich eine Ãśberwindung normierter Zweigeschlechtlichkeit bislang kaum erkennen. Mediale Aushandlungen von Homosexualität, Transgender und Intersexualität sind zwar deutlich präsenter als in Pre-Internet-Zeiten, bilden aber dennoch – quantitativ betrachtet – eher Ausnahmen.

Ausgehend von den vielfach reklamierten gendersensiblen (Forschungs-)Perspektiven in den Medien- und Kommunikationswissenschaften (vgl. z. B. Maier/Thiele/Linke 2012; Lünenborg/Maier 2013) gilt es deutlich zu machen, inwieweit diese in der Praxis zur Selbstverständlichkeit, ja zum Mainstream, werden können. Die kritische Auseinandersetzung mit Medienformaten, die soziale Gruppen diffamieren, ist besonders in Zeiten dringlich, in denen rückwärtsgewandte Rollenbilder in Parteiprogrammen zu finden sind, es kollektiv organisierte sexistische Ãśbergriffe gibt, ‚schwul‘ ein gängiges Schimpfwort ist, das Spott und Ausgrenzung demonstriert, und in denen LGBT1-Jugendliche mehrheitlich von Diskriminierungserfahrungen in ihrem sozialen Umfeld berichten (vgl. Krell/Oldemeier 2016).
 

Inhaltsverzeichnis

aktuell

thema

Neue Gendermedienwelten?!

Gender Media – Praktiken und Forschungsbedarf
Editorial
Dagmar Hoffmann, Susanne Eggert

Medienpraktiken aus Geschlechterperspektive
Sigrid KannengieÃźer

Genderbeben im Internet?
Aushandlungen von Geschlecht im Kontext Internet
Angela Tillmann

Transgender Media Studies
Perspektiven und Herausforderungen
Florian KrauÃź

Der Kampf gegen die „Pinkifizierung“ im Mainstream
Ein Interview mit Stevie Meriel Schmiedel, Pinkstinks

Was Jugendliche online schauen
YouTube als medialer Raum für Rollenrepräsentationen
Annekatrin Bock, Merja Mahrt

Hat Technik ein Geschlecht?
Ein Interview mit zwei Medienpädagoginnen


spektrum

tiptoi, TING und Co. – zwischen Spielzeug und Lernmedium
Studie zu digitalen Audiostiften
Marcel Rechlitz

Brettspiele – ein aktuelles medienpädagogisches Forschungsfeld?!
Kira van Bebber-Beeg, Katharina Herde

App dafür!
Erfahrungen mit der partizipativen Entwicklung einer App in der Jugendarbeit
Dennis Rosenbaum, Tim Ossyssek, Christoph Reineke


medienreport

Wie eine unsichtbare Freundin tödlich sein kann
Ein interaktiver Comic zu Magersucht
Melanie Theissler

Lingumi Play
Ein Sprachlernspielzeug für Kinder
Antje Müller

Mit Fiete durch den Zoo
Eine App von Kindern für Kinder
Sophia Stemmer

Fabers Schatz
Ein Hörbuch über Fremdheit und Freundschaft
Sophia Stemmer


publikationen

kurz notiert

service

impressum

kolumne


Me First
Narzissmus und Medien
Hans-Dieter Kübler