Pädagogik

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Time for Change?

Schule zwischen demokratischem Bildungsauftrag und manipulativer Steuerung

München 2018, 280 Seiten
ISBN 978-3-86736-421-8
22,80 EUR
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Produktbeschreibung

Seit PISA stehen Schulen unter dauerndem Reformdruck unter dem Label ‚Schulentwicklung‘: Kompetenzorientierung, Vergleichstests, zentrale Prüfungen, individuelle Förderung, dauernde Rechenschaftslegung, Schulprogramme, Steuergruppen, Qualitätsmanagement, Schulinspektionen usw. sollen Schule besser machen. Im Erleben vieler Lehrerinnen und Lehrer bewirken sie faktisch das Gegenteil: unsinnige Arbeitsverdichtung durch Bürokratisierung, Ablenkung vom Kerngeschäft Unterricht, Normierung von Didaktik und Methodik, Kontrolle und Verlust der pädagogischen Freiheit, subtiler oder offener Anpassungsdruck durch Schulleitungen und Behörden etc.

Die Reformen kommen dabei in der emphatischen Sprache völliger Alternativlosigkeit daher: „Time for Change - Es ist Zeit für den Wandel!“ Neu ist immer besser; wer nicht mitmacht, ist von gestern – und wird mit sanftem oder unsanftem Druck auf die neue Linie gebracht. Dazu werden zunehmend sozialpsychologische Steuerungsinstrumente des sog. „Change Managements“ eingesetzt. Statt Sachdiskussionen zu führen, wird in gruppendynamischen Settings an „Einstellungen“ gearbeitet. Widerspruch wird als Querulantentum beiseitegeschoben. Oder Kritiker werden durch Vorgesetzte und Schulverwaltung direkt eingeschüchtert und gemaÃźregelt. So sollen Lehrer unter Druck gesetzt werden, sich von ihren begründeten pädagogischen Ãśberzeugungen zu verabschieden: Sie sollen wollen, was sie sollen!

Der Band geht diesen Entwicklungen von ‚Postdemokratie‘ im Bildungswesen auf den Grund: Er benennt die Phänomene, bringt Fallberichte aus der Praxis, analysiert die Techniken und Strategien der manipulativen Steuerung und zeigt deren Hintergründe und Ziele auf. Zudem wird an den demokratischem Bildungsauftrag der Schule erinnert sowie das Recht und dien Pflicht von Lehrern, im Bildungsinteresse ihrer Schüler diesen Entwicklungen entgegenzutreten. Dabei erweist sich dies als Aufgabe aller Bürger: Bildung und Bildungswesen gehören in die demokratische Verantwortung aller Beteiligten.
 

Inhaltsverzeichnis

Praeludium – „Humboldt“

I. EINFÃśHRUNG


Jochen Krautz:
Imperative des ‚Wandels‘: Schulreform in der Postdemokratie

Ursula Frost:
Ohne Widerstand? Was Bildung und Wissenschaft auszeichnet

Interludium – „Analoge Kompetenz“


II. AUFRISS

Matthias Burchardt:
Wer sich nicht verändert, wird verändert
Governance, Schulentwicklung, Change als Bausteine totaler Steuerung

N.N.:
Und bist Du nicht willig, so brauch ich Gewalt
Change-Management – wie mit illegitimen Führungstechniken Reformen durchgedrückt werden

Zwischen autoritärem Druck und subtiler Manipulation:
Fallberichte aus dem Schulwesen

Stellungnahmen von Verbänden

Interludium – „Wandel“


III. ANALYSE

Beat Kissling:
Demokratie und Bildung im globalisierten Europa – die Geschichte einer schleichenden Usurpation.
Zum Hintergrund der Bildungssteuerung

Silja Graupe:
Der manipulierbare Geist
Das Menschenbild hinter dem Change Management – und wie man sich dagegen wehren kann

Volker Ladenthin:
Warum Demokratie ohne Bildung nicht demokratisch ist - und Bildung ohne Demokratie nicht gut geht

Sascha Frick:
Time for Change? – Welcher Change?

Zwischenrufe aus der Praxis

Interludium – „Qualität“


IV. AUSBLICK

Jochen Krautz:
Keine Alternative? Schule und Unterricht ohne Formatierung

Bildung in demokratischer Verantwortung
Beiträge aus der Praxis

Postludium – „Zwischen Schein und Wirklichkeit“